DM Tischtennis für Menschen mit geistiger Behinderung 2014

Es ist kaum zu glauben. Unsere TischtennisspielerInnen erspielten sich am vergangenen Wochenende auf der deutschen Tischtennismeisterschaft für Menschen mit einer geistigen Behinderung (Marktheidenfeld /Franken) viermal Edelmetall.
Unser Mitarbeiter Tobias Thomas wurde gemeinsam mit Hartmut Freund (Baden-Württemberg) zweifacher Deutscher Meister im Einzel- und Teamwettbewerb und konnte sich somit den Titel in der „Königsdisziplin" Herreneinzel nach zwei Jahren wieder zurückerobern!
Der Weg zu dieser erstaunlichen Leistung war kein leichter. Tobias besiegte im Halbfinale den Newcomer Alexandro Kalpakidis (Baden-Württemberg) knapp in fünf Sätzen. Während des Spiels führte der Fünfzehnjährige (klassifiziert als Mensch mit Lernbehinderung)  bereits mit 2:1 Sätzen. Nach einer starken Aufholjagd entwickelte sich besonders der entscheidende fünfte Satz zum „Krimi“ und endete mit 16:14. Im Endspiel traf er auf den Vorjahressieger Hartmut Freund, mit dem er in der Nationalmannschaft und bei diesem Turnier ein Team bildet. Nach einem 2:1 Rückstand in Sätzen schaffte der Saarländer noch das „unmöglich Geglaubte“ und entschied die folgenden Sätze für sich. 
Im Finale des Herren Teamwettbewerbs ließen die beiden deutschen Spitzenspieler Tobias Thomas und Hartmut Freund keinen Zweifel aufkommen wer „Herr im Ring“ ist. Mit einer deutlichen 3:0 Niederlage in Sätzen bezahlten die Neulinge Rösenberg / Kalpakidis „Lehrgeld“. Doch zeigte das junge Team aus Baden-Württemberg durch gute Leistungen im Turnierverlauf, dass mit ihnen in Zukunft zu rechnen ist.
Auch die Tischtennisspielerinnen waren überaus erfolgreich. Thea Hinzberger (WZB-Urexweiler) und Monika Niklaus (Bübinger Werke) erkämpften sich die Vizemeisterschaft im Mannschaftswettbewerb. Der Einzug der Saarländerinnen ins Endspiel zählt zu einer der großen Überraschungen der Deutschen Meisterschaft. In einem denkbar engen Halbfinale konnte man die frisch gekürte Meisterin im Einzelwettbewerb Susanne Quade (BSNW) und ihre Partnerin Donatella Del Duca (erste Teilnahme bei einer DM) aus Bayern in fünf Sätzen besiegen.
Im darauf folgenden Endspiel blieb man chancenlos. Das Damenteam aus NRW behielt mit 3:0 deutlich die Oberhand. Aber gegen Miriam Jörgens und Angelika Peters zu verlieren, die ihre vierte Deutsche Meisterschaft in Folge unter „Dach und Fach“ brachten, bedeutet keinen Beinbruch. Unsere beiden Damen spielten am Limit, dies wird deutlich wenn man sich vor Augen führt, dass alle Frauen innerhalb der Vorschlussrunde, abgesehen von unserem Team, in einem Verein Tischtennis spielen.
Obendrein ergatterte sich Thea Hinsberger, die mit 57 Jahren zu den ältesten Teilnehmern des Turniers zählte, auch noch eine Bronzemedaille im Einzelwettbewerb. Des Weiteren gab es auch noch gute Platzierungen anderer Mannschaftskollegen. Zum Beispiel wurde unser rein saarländisches Männerteam, bestehend aus Manfred Güll (Werk 4) und Michael Meisberger (DM-Neuling / Werk 2), auf Anhieb Fünfter. Diese Platzierung erreichte auch die Auswahlspielerin Monika Nikolaus (Lebenshilfe „Obere“ Saar) und verbesserte sich im Vergleich zur letzten Meisterschaft um sechs Plätze.
Die Mannschaft, die nicht nur ihre Einrichtungen sondern auch den Behindertensportverband des Saarlandes vertrat, kann mit Recht stolz auf diese unerwarteten Erfolge sein. Seit fünf Jahren werden Deutsche Meisterschaften in der Wettkampfklasse 11 ausgetragen. Nur die Mannschaften der Lebenshilfe Oberhausen haben sich in Deutschland in den letzten Jahren mehr Medaillen als das WZB erspielt. Im Ranking der Landesverbände hat nur Nordrhein Westfahlen mehr Erfolge vorzuweisen als der „kleine Landesverband“ des Saarlandes. Man kann mit gutem Recht behaupten, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen und nun die Früchte unserer Arbeit eingefahren haben.
Ein besonderer Dank gilt dem TTC Marktheidenfeld, die als Ausrichter bzw. Gastgeber dafür sorgten, dass dieses Turnier reibungslos verlief und die Athleten sich rundum wohl fühlten. Im Namen des Teams möchten wir uns für eure Unterstützung im Vorfeld bzw. fürs "Daumendrücken" bedanken. Als Kooperationspartner sind im besonderen Maße der BRS-Saarland, der saarländische Tischtennisverband, die Lebenshilfe Obere Saar, das WZB und unser Techniktrainer Siegfried Nastulla zu nennen. Um auch in Zukunft diese Spitzenleistungen zu bestätigen sind wir als Leistungskader auf Unterstützung in vielfältiger Weise angewiesen. Wir sollten alle an einem Strang ziehen, um es geistig behinderten Sportlern zu ermöglichen, Leistungssport zu betreiben. Nur wenn wir gemeinsam diese neuen Wege beschreiten kommen wir dem Inklusionsgedanken Stück für Stück näher!

20.09.2014 15:03 Alter: 3 Jahre