BRS Saarland bei der REHAB in Karlsruhe

Die Rennrollstuhl-Gruppe vom Paralympischen Trainingsstützpunkt des BRS Saarland war eingeladen, ihr Leichtathletik-Training als inklusiven Workshop vorzustellen.
Julia Würthen, Stefan Strobel, David Scherer und Jan Blöchle mit Landestrainer Wolfgang Blöchle stellten einige Trainingsformen vor, die auch zusammen mit nicht-Rollstuhlfahrern eine Menge Spaß und für viele auch überraschende Erkenntnisse brachten.
Dank an dieser Stelle  für ihr Engagement der Gruppe von  Holger Franz, dem Leiter der Inklusiv-Aktionsfläche, und der fachkompetenten Moderation von Esther Weber, der ehemaligen Paralympics-Siegerin im Rollstuhlfechten.
Im Alltagsrolli waren Wheely  (Rolli gekippt und nur auf den Hinterrädern gefahren) und Nordic Wheeling (Rollstuhlfahren mit Antrieb durch Nordic-Stöcke) die ersten Übungen, an denen auch die Fußgänger sich versuchten und  überrascht waren, welche Koordinationsleistung die Rollis erbringen müssen, aber auch, welch muskuläre Effekte auch bei Nichtbehinderten  bei dieser Übung zu erzielen sind.
Für Rollstuhlfahrer ist ganz wesentlich, dass sie mit dem Nordic Wheeling die für sie so wichtigen Muskeln in Armen und Schultern hervorragend trainieren, dabei das Schultergelenk entlasten und die Tiefenmuskulatur des Rumpfes ansprechen  können.
Einen Eindruck, was blinde Sportler leisten müssen, wenn sie, geleitet von den akustischen Signalen ihres Guides,  Richtung und Strecke beim Sprint oder Anlauf zum Weitsprung treffen müssen, vermittelten die nächsten Einheiten, und das mit Neugier und Engagement der nicht behinderten Teilnehmer aus dem Publikum beim Selbstversuch mit Maske.
Schwerpunkte beim Athletik-Training der Rollstuhl-Leichtathleten sind Formen des propriozeptiven  Trainings. Dieses Training in gewollter Instabilität/Labilität des Körpers, das bei ‚Stehern‘, also nicht-Rollis, durch instabile Unterlagen erreicht wird, ist ja bei Rollstuhlfahrern Teil ihres Alltags. Bei ihnen erlauben ja die unteren Gliedmaßen keine Fixierung am Boden und die Sitzfixierung im Rollstuhl ist durch die beeinträchtigte Oberkörperfunktion mehr oder minder labil bis gar nicht vorhanden.
Für diejenigen, die noch über wahrnehmbare Sitzstabilität verfügen, kann die Labilität durch Lösen der Bremsen am Rollstuhl verstärkt werden.
In diesem Zusammenhang gibt es einige einfache und bekannte Geräte, die für die Verbesserung der Koordination, ein typischer Rolli-Schwachpunkt,  Hand- , Arm- und Schultermuskulatur nützlich sind.
Der Gyrotwister ist  für das Training  der Astronauten im All bekannt geworden, für Rollifahrer und natürlich auch für Rennrollstuhl-Athleten ist er für die o.a. Bereiche sehr wirksam.
Das wichtigste Trainingsgerät im Sinne der Propriozivität für Hand-, Arm- Schulter- und Rumpf-Tiefenmuskulatur ist der Swing Stick oder Flexi Bar. Dieser Schwingstab entwickelt bei richtiger technischer Anwendung ungeahnte Kräfte, sodass Rollstuhlfahrer mit oder ohne Bremse hohe koordinative und intensive muskuläre  Belastungen auf die oberen Extremitäten und den Rumpf erzielen können, und zwar mit und ohne Bremsen,   einarmig oder auch mit Swing Sticks in beiden Händen.
Und das konnten in der praktischen Erprobung auch die teilnehmenden Fußgänger im Stand, im Sitzen und Stehen auf zwei oder einem Bein, mit und ohne Balance-Kissen als Unterlage erleben.
Viel zu schnell war die knappe Stunde vorbei. Das Thema‘ Fahren im Rennrollstuhl‘  musste auf die nächste REHAB verschoben werden.

17.05.2017 19:35 Alter: 130 Tage