Tischtennis Weltranglistenturnier

Tobias Thomas Vierter in San Diego.

Das kleine deutsche Team hat beim Tischtennis-Weltranglistenturnier im Behindertensport in San Diego (USA) gut gespielt, aber keine Medaille gewinnen können. Den Sprung aufs Treppchen verpasste der aktuelle Deutsche Meister für Menschen mit geistiger Behinderung, Tobias Thomas (26 Jahre, Wettkampfklasse 11), aus dem Saarland nur ganz knapp. Erst im Halbfinale musste er sich dem polnischen Spieler Damian Slocinski mit 0:3 geschlagen geben.
Zuvor hatte der für die BSG St. Ingbert startende Thomas bereits drei Einzel gewonnen: jeweils 3:0 gegen den Kanadier Michael Drozdowski, Ta-Yu Huang aus Taiwan und den Polen Kamil Balusczek. Gegen den Polen gewann Thomas bei seinem ersten Weltranglistenturnier, bei dem er auch international als Wettkampfklasse 11-Spieler klassifiziert wurde, kampflos, weil dieser zu Spielbeginn nicht anwesend und auch nach viertelstündiger Wartezeit nicht gekommen war.  Im Spiel um Platz drei unterlag Thomas, der im Nichtbehindertensport auch für den TTC Dörsdorf startet, dem Polen Marcin Knopik mit 0:3, der als sogenannter „Borderliner“ laut Bundestrainer Wieland Speer unter Beobachtung seitens der internationalen Klassifizierer steht.
Der zweite GB-Spieler des kleinen deutschen Teams, welches auch durch TT-Abteilungsvorstandsmitglied Karl-Heinz König aus Bayern in der Wettkampfklasse 7 vertreten wurde, war der Deutsche Meister von 2011, Hartmut Freund, von der BRSG Bietigheim-Bissingen. Er spielte in der stärksten Gruppe im Teilnehmerfeld sehr gut, konnte sich aber leider nicht für das Viertelfinale qualifizieren. So verlor er gegen den Weltranglistenneunten Yuki Kinoshita aus Japan, der einer von sechs männlichen Paralympics-Teilnehmern in der WK 11 war, in vier hart umkämpften Sätzen. "Freund hatte in seiner Gruppe ausschließlich Gegner, die nach deutschem Verständnis allenfalls lernbehindert sind", erklärte der Bundestrainer in einer Pressemitteilung.
 
Im Team spielten Hartmut Freund und Tobias Thomas gemeinsam in einer Dreiergruppe gegen Japan und Hongkong. Gegen den späteren Turniersieger aus Japan verloren die Deutschen 0:3. Dabei zeigten sie aber insbesondere im Doppel, welches Potenzial in ihnen steckt. Gegen Takashi Takeda / Yuki Kinoshita – die Nr. 8 und Nr. 9 der Weltrangliste – unterlagen sie denkbar knapp mit 9:11, 11:13, 13:11 und 9:11. Gegen Hongkong konnte Tobias Thomas gegen Chung Yan Leung mit 3:0 souverän punkten. Leider verlor er das zweite Einzel gegen Wai Hin Chu mit 1:3. Da auch Hartmut Freund und das Doppel nicht punkten konnten, verlor man die Begegnung mit 1:3. Gegen Hongkong hätten die beiden Deutschen Meister jedoch auch gewinnen können.
 
Unter den insgesamt 129 Teilnehmern aus 27 Nationen konnten sie sich in der Wettkampfklasse 11 unter 15 Spielern - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - gut behaupten. „Jedoch haben die Spieler mit geistiger Behinderung in den meisten Fällen gegen die Spieler mit Lernbehinderung keine Chance“, wie Bundestrainer Wieland Speer feststellen musste. „Eine Hoffnung für die GB-Spieler besteht darin, dass bald eine klare Differenzierung vorgenommen wird. Es ist dringend notwendig, dass eine eigene Wettkampfklasse für Spieler mit geistiger Behinderung eingeführt wird“, betonte Speer. Er hat die Hoffnung, dass der Deutsche Behindertensportverband (DBS) zur General Assembly von INAS, dem Weltverband für Leistungssportler mit geistiger Behinderung, einen Antrag auf Einführung von zwei Tischtennis-Wettkampfklassen im Bereich Menschen mit geistiger Behinderung stellt. Ebenso solle dann auch die ITTF, also der Welt-Tischtennis-Verband, im Mai bei den Weltmeisterschaften in Paris bei ihrer Tagung nachziehen, damit sich eine sportliche Chance für die GB-Spieler eröffne.

10.12.2012 10:21 Alter: 6 Jahre